![]() | Kulturschock VR China/Taiwan | |||
Autor: Hanne Chen | ||||
| Rezensierte Aufl.: 2004, 6. aktual. Auflage | ||||
| Seiten: 249 | ||||
| Verlag: Reise Know-How | ||||
| Preis: 14,90 € | ||||
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Kritik | ||||
| Kulturschock VR China/Taiwan von Hanne Chen Das Buch ist kein Business Buch im Sinne von „wie macht man Geschäfte in China“ wie z. B. das exzellente Buch von Diana Rowland über Japan. Stattdessen ist es ein Buch über die chinesische Kultur und Geschichte allgemein. Die Autorin Hanne Chen ist gebürtige Deutsche, die die chinesische Sprache spricht und in China gelebt hat. Beim Lesen des Buches zeigt sich, dass sie ein vertieftes Verständnis für diese Kultur entwickelt hat. Dieses Verständnis vermittelt sie mit einer klaren und anschaulichen Sprache. Ihren Schreibstil kann ich nicht anders als „elegant“ bezeichnen. Das Buch gliedert sich in vier Hauptkapitel: 1. Der kulturhistorische Rahmen: Weltsicht, Geschichte, Sprache (S. 9 – 90) 2. Der chinesische Alltag (91 – 198) 3. Fremde im chinesischen Alltag (S. 199 - 244) 4. Anhang (S. 245 - 264) Für den zeitknappen Manager empfehle ich das zweite Kapitel über den Alltag. Auf diesen knapp 100 Seiten lernen Sie mehr über China als in vielen anderen Büchern. Chen schafft es tatsächlich den Alltag und das Denken der Chinesen plastisch darzustellen. Sie differenziert dieses Bild „des Chinesen“ statt zu pauschalisieren. Viele der Unterkapitel enthalten wichtiges Wissen für das Business mit Chinesen (z. B. die Kapitel „Höflichkeit“, „Beziehungen“, „Strategien der Konfliktbegrenzung“, „Frauenrollen früher und heute“, etc.). Aber auch die anderen Themen sind wichtig für das Verständnis dieser Kultur (z. B. „Essen“, „Freizeit“, etc.). Das erste Kapitel ist geeignet für denjenigen, der etwas mehr Zeit hat und ein tieferes Verständnis der Kultur entwickeln will. Viele Verhaltens- und Denkweisen lassen sich aus der Geschichte Chinas ableiten. Wer einen längeren Aufenthalt plant, sollte dieses Kapitel auf jeden Fall auch lesen. Das dritte Kapitel können Sie am ehesten weglassen. Es ist nicht mehr ganz so informativ wie die ersten beiden. Am besten gefallen haben mir hier die Unterkapitel „Fremdeln oder die gegenseitige Wahrnehmungsverzerrung“ und „Richtig chinesisch – Worauf Ausländer achten sollten“. Der Anhang enthält Lesetipps, Glossar und Landkarte. Obwohl ich mir insgesamt einige Business-Bücher über China angesehen habe, würde ich dieses allgemein geschriebene Buch vielen anderen Bücher vorziehen. Es vermittelt ein hervorragendes Bild über das Alltagsleben und das Denken der Chinesen. In keinem anderen Buch wird China so plastisch dargestellt. Hier ein paar Appetithappen. Wussten Sie´s? Zwei Drittel aller chinesischen Haushalte nutzen ihre Küche gemeinsam mit der Nachbarfamilie. Ein Stadtbewohner hat durchschnittlich sechs Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. Studenten teilen sich ein Zimmer mit sechs bis zwölf Personen. Weniger als 10 Prozent der Wohnungen verfügen über ein Badezimmer. Öffentliche Toiletten haben keine Türen und meistens eine nur ein Meter hohe Trennwand. Die Worte „sich durchsetzen“ und „Streitkultur“ gibt es im chinesischen nicht. Essen ist in China so wichtig, dass der Satz „Ich muss doch noch essen“ als Verhinderungsgrund in seiner Ernsthaftigkeit einem deutschen „Ich habe Fieber“ entspricht. Der Chinese identifiziert deftiges deutsches Essen wie Erbsensuppe, Schwarzbrot oder dicke Bohnen mit Speck gemeinhin als Hundefutter. Sport spielt in China fast keine Rolle. Die Suppe wird immer am Schluss gegessen. Ein Chinese, der einen Ausländer bestiehlt, wird unter Umständen zum Tode verurteilt? Fazit: Eines der besten Bücher über China. Wenn Sie Zeit haben, lesen Sie es ganz. Für Eilige empfehle ich das zweite Kapitel über den Alltag der Chinesen. © 2004 Alexander Groth (www.alexander-groth.de) | ||||